Ins Herz (Paperback)

Neuschwanstein-Thriller
ISBN/EAN: 9783944936321
Sprache: Deutsch
Umfang: 372 S., Kapitelvignetten, Übersichtsplan und Bilde
Format (T/L/B): 2.6 x 20.9 x 13.6 cm
Einband: Paperback
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In dieser Nacht beginnt die Jagd. Auf ein kleines Päckchen, das den Größten im Staate zu stürzen vermag. Es wird niemand verschont in dieser blauschwarzen Nacht. 1875: Auf der Baustelle der Hohenschwangauer "Neuen Burg" (Neuschwanstein) stirbt der Bauführer durch einen Schuss ins Herz. Was die tatsächlich erhaltene Chronik des Dorflehrers nur knapp notiert, macht Markus Richter zum Ausgangspunkt eines atemlosen Verschwörungsabenteuers. Die jungen Hofbediensteten Lenz und Klara wollen sich in dieser Nacht näherkommen. Doch sie stolpern in eine mörderische Intrige. Als sie mit dem Mut der Verzweiflung eingreifen, werden sie selber zur Zielscheibe. "Markus Richter hat einen packenden Thriller geschrieben. Mit glaubwürdigen Charakteren lässt er die Leser einen tiefen Blick in die Epoche werfen." (Heidi Rehn, Autorin des Erfolgsromans "Das Haus der schönen Dinge" und zahlreicher anderer historischer Gesellschaftsromane) Für lange Lesenächte. Denn Sie werden das Buch nicht zuklappen können!
Markus Richter kennt alle Winkel im berühmtesten Schloss König Ludwigs II. Als Kastellan war er zuständig für alle Belange des täglichen Betriebes. Schon in den beiden Führern "Schloss Neuschwanstein" und "Heldensagen von Neuschwanstein" sowie der vielfach übersetzten Gespenstergeschichte "Ludwig und Poldi" (alle Top Spot Guide Verlag) hat er Erwachsenen und Kindern das Schloss nahegebracht. Längst blickt er tiefer: "Am 12. Juni 1886 wurde Ludwig II. von einer ,Fang-Kommission' in Neuschwanstein verhaftet. Dort eröffnete man ihm, dass er geisteskrank und somit regierungsunfähig sei. Für ihn war es der Ort, an dem er seine bittersten Stunden erlebte. All die Jahre, die ich auf Neuschwanstein gelebt und gearbeitet habe, fragte ich mich, ob ein Fluch darauf lastet. Ob der König etwas von seinem persönlichen Unglück zurückgelassen hat."
Sie hatten sich tatsächlich verlaufen. Anfangs führte der Weg noch bergab. Jetzt ging es bergauf. Lenz schwante Übles. "Wir sind hier falsch, oder?", kam ihm Klara zuvor. Lenz blieb stehen. Sein Knöchel schmerzte gewaltig und die Pause tat ihm gut. "Wir haben die Abzweigung verpasst. Was meinst du? Sollen wir umkehren?", fragte er Klara. "Dann laufen wir ihnen direkt in die Arme!" Just in dem Moment als Klara das sagte, flackerte unterhalb von ihnen ein Licht auf. Die Männer waren zwar noch zu weit weg, um sie sehen zu können, aber sie folgten ihnen dicht auf den Fersen. "Weiter, rasch!" Aus Klaras Stimme sprach die pure Panik. Lenz wusste nicht, was ihr im oberen Burghof widerfahren war. Es musste schrecklich gewesen sein. Sie nahmen sich an den Händen und liefen weiter. Es fiel ihnen nicht leicht, sich im Dunkeln zu orientieren. Ihre Verfolger waren da mit ihrer Lampe klar im Vorteil. Lenz überlegte konzentriert, wo genau sie gerade liefen. Aber es gab keinerlei Anhaltspunkt. Die Nacht verschluckte alles. Den Gedanken, sich im Wald zu verstecken, gab er rasch auf. Er fürchtete, sie könnten in unwegsames Gelände geraten oder gar abstürzen. Wenn er sich nicht vollkommen täuschte, befanden sie sich irgendwo hinter der Baustelle auf dem Weg in Richtung Marienbrücke. Das Rauschen des Wasserfalls war jetzt gedämpfter zu hören. Vielleicht waren sie sogar schon hinter der Brücke. Dort schwächte ein Felsvorsprung das Tosen des Wassers ab. Über den Felsen führte der Weg zur Brücke hinauf. An dieser Stelle gab es einen Pavillon. Nur eignete der sich nicht als Versteck. Er war rundum offen und diente nur als Unterstand. Hier befand sich auch eine Weggabelung. Es ging zum Schweizer Haus in der Bleckenau, zum Säuling oder hinab ins Tal. Und Lenz wollte ins Tal. Er kannte sich hier oben gut aus. Aber bei Nacht wirkte alles ganz anders. Er konnte nicht sicher sagen, ob sie vielleicht schon an der Weggabelung vorbei gelaufen waren. Klaras Hand zitterte unaufhörlich in der seinen. "Ich bringe uns sicher nach unten, das verspreche ich dir", versuchte er sie zu beruhigen. Anstelle einer Antwort drückte sie kurz seine Hand und seufzte. Lenz spürte Verzweiflung in sich aufsteigen. Es war alles seine Schuld. Wäre er nur kein solcher Aufschneider gewesen, bloß weil man ihm einmal eine wichtige Aufgabe übertragen hatte. Aber für solche Gedanken war es jetzt zu spät. Er musste dafür sorgen, dass Klara nichts zustieß. Da rissen die Wolken auf und das Mondlicht erhellte den Weg. Lenz erschrak. Jetzt wusste er, wo sie waren. Den Pavillon hatten sie längst hinter sich gelassen. Sie befanden sich auf dem Fußweg nach oben. Nur noch eine Biegung und sie stünden auf dem Vorplatz der Marienbrücke. Sie mussten sofort umdrehen. Er wollte nicht auf die Brücke! Von dort konnte man nur noch zum Tegelberg weiter. Das war bei Dunkelheit viel zu gefährlich. "Zurück, Klara. Hier gehen wir nicht weiter!", sagte Lenz und machte kehrt. Doch da war wieder das Licht. Es war jetzt sehr nahe. Wahrscheinlich hatten die Verfolger Klara und Lenz schon entdeckt. "Ich habe Angst, Lenz", schluchzte Klara. Der Weg zurück war ihnen versperrt. Es blieb ihnen keine andere Möglichkeit, als weiterzugehen. Sie mussten zur Brücke. "Ich weiß, was wir tun werden. Vertrau mir", flüsterte Lenz und zog Klara mit sich. Er hatte eine Idee. Sie war verwegen und gefährlich, aber wahrscheinlich ihre einzige Chance. Sie durchschritten den mit dicken Bruchsteinen befestigten Korridor vor der Brücke. Wie mit einem heftigen Paukenschlag setzte das Tosen des Wasserfalls ein. Sein Vater hatte Lenz erzählt, dass zur Römerzeit genau hier oben ein Leuchtturm stand, der den Reisenden auf der Handelsstraße Via Claudia Augusta nachts eine Orientierungshilfe gab. So etwas hätten Klara und er vorhin gebrauchen können. Dann hätten sie sich nicht hierher verlaufen. Als sie die Brücke betraten, schwoll das Rauschen weiter an. Es klang in Lenz' Ohren wie das Brüllen eines wilden, unbezähmbaren Tieres.